Klimatisierung auf Marineschiffen

Klimatisierungs, Lüftungs, ABC Schutz Systeme

Die Einsatz- und Durchhaltefähigkeit des Gesamt-Systems Marineschiff beruht nicht unwesentlich auf funktionierenden und effektiven Klimatisierungssystemen. Daher sind die Anforderungen an klimatechnische Systeme auf Marineschiffen immens: Höchste Schock- und Rüttelsicherheit, minimale Geräusch-Emissionen, Einsatzbandbreiten von Ostsee bis in tropische Umgebungen, Intensivnutzbarkeit, geringe Wartungskosten und vieles mehr. Neben den auch auf zivilen Schiffen üblichen Funktionalitäten Belüftung, Heizung, Kühlung (HVAC, Heating Ventilation & Air Conditioning) kommt auf Marineschiffen noch die sehr wichtige Funktion des ABC-Schutzes (CBRN Protection) zum Tragen, d.h. die Abschirmung der Besatzung und des Materials vor atomaren, biologischen und chemischen Bedrohungen.

Anders als die Schiffe der meisten anderen Marinen sind die Schiffe der Deutschen Marine zwecks permanenten ABC-Schutzes mit einem sogenannten „Dauer Schutzluft Klimatisierungssystem (DSK) ausgestattet“. Hierbei wird das Schiff permanent über die ABC-Schutzluftstationen im Überdruck betrieben, der sogenannten Zitadellenbetrieb. Die Zitadelle ist der Bereich des Schiffes, der mit Schutzluft, d.h. gefilterter Luft, die frei ABC-Bedrohungen ist, versorgt wird. Im Gegensatz dazu fahren die meisten anderen Marinen das Konzept des Change Over. Dabei werden die Schiffe im Normalfall offen betrieben und nur wenn sich eine Gefahrenlage einstellt, wird auf den Zitadellenbetrieb Closed Ship umgestellt. die deutsche Marine hat mit den Fregatten der Klasse 125 die Anforderungen an das Gesamtsystem Schiff umfassend erhöht, was sich auch in der Klimatechnik niederschlägt. Dabei stellen Intensivnutzbarkeit sowie Besatzungsreduzierung im Zusammenspiel mit dem neuen Mehrbesatzungskonzept die Auslegung der klimatechnischen Systeme vor neue Wartungsintervallen und sogenannte MTBF-Analysen (Meantime before Failure) sind hier u.a. im Fokus der Auslegung der klimatechnischen Anlagen.

Ein Unternehmen, das seit Jahrzehnten erfolgreich klimatechnische Systeme, die solchen Herausforderungen gewachsen sind, konzipiert und baut, ist die in Hamburg ansässige AERIUS Marine GmbH. Das Unternehmen ist ein führender Spezialist für Systeme der Klimatechnik und des Brandschutzes auf Marine- und Kreuzfahrtschiffen. AERIUS Marine hat ihre Wurzeln in der 1858 gegründeten Firma Rud. Otto Meyer, die schon die Schiffe der Kaiserlichen Marine mit Heizungen ausgerüstet hatte. AERIUS Marine hat sich seitdem zu einem weltweit agierenden Unternehmen entwickelt und besteht aus 450 Mitarbeitern in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Indien. Für das laufende Jahr sind die Neugründungen AERIUS Marine Canada und AERIUS Marine Australia geplant. Ca. 50 Prozent des Gesamtumsatzes von AERIUS entfallen heute auf Marineschiffe. Dabei betrachtet AERIUS Marine nicht nur die Neubauausrüstung, sondern den gesamten Lebenszyklus der Schiffe im Zusammenhang mit ihren Einsätzen. Eine eigene ILS-Abteilung (Integrated Logistic Support) steht den Kunden dabei beratend zur Verfügung und ist im Auslegungsprozess der Anlagen und Systeme bei AERIUS voll integriert.

AERIUS Marine nicht nur auf eine umfangreiche Erfahrung durch die Ausrüstung von über 50 Kreuzfahrtschiffen zurückblicken. Auch im Marineschiffbau verfügt AERIUS Marine über umfassende Erfahrungen mit Schiffen der Deutschen Marine sowie verschiedenster internationaler Marinen und agiert als Experte für jegliche Art der Ausführung von ABC-Systemen. Jüngere Referenzen sind u.a. die Fregatten der Klassen F124 und F125 sowie der Einsatzgruppenversorgers EGV „Bonn“ für die deutsche Marine. Im internationalen Bereich rüstet AERIUS Marine seit 2004 die neuen Flugzeugträger „Queen Elisabeth“ und „Prince of Wales“ für die Royal Navy mit Turn-Key HVAC/CBRN sowie den Kaltwassersystemen inklusive der Kaltwassersätze und der Heizungsanlagen aus. Für das neue Fregattenprogramm Type26 der Royal Navy ist AERIUS Marine Single-Source-Dienstleister für Entwicklung und Bau des HVAC/CBRN-Systems. Abgerundet wird das Marine-Portfolio durch Aufträge in Polen (OPV) und in Indien, wo ein sogenanntes Fleet Support Vessel mit Klimalüftungsanlagen und den Kaltwassersätzen ausgerüstet wird. Für die israelische Marine werden von AERIUS Marine vier Korvetten im Bereich Brandschutz mit Niederdruck-Wasser-Nebelanlagen und Gasfeuerlöschanlagen ausgerüstet.

Dieter Stockfisch, Europäische Sicherheit & Technik, Juli 2017